Wohnmobilreisen für Behinderte
Mit dem Wohnmobil durch Polen
Mein Vater stammt aus Schlesien (Habelschwerdt, das heutige Bystriza in der Grafschaft Glaz, in Niederschlesien) und es existierte schon lange die Idee, dass er mit mir seine Heimat besuchen wollte.
Als die Grenzen zum Osten offen waren und ich dadurch einige Bekannte in Polen hatte, wurde aus dieser Idee ein Plan.
Ich habe Multiple Sklerose und bin dadurch mittlerweile sehr schwer behindert und kann eine Reise nur mit sehr guter Planung und Vorbereitung durchführen.
Mein Vater wollte das Wohnmobil fahren und mir beim Umsitzen helfen.
Meine „Pflegerin“ musste mit uns fahren, denn sie kommt aus Polen und sollte unsere Dolmetscherin sein und sie musste mir bei den Alltäglichkeiten helfen.
Da wir viel von Polen sehen, also sehr viel fahren mussten und es nicht sicher war, dass wir Hotels finden konnten, in denen ich mit dem Rollstuhl übernachten konnte, war es naheliegend diese Reise mit einem geeigneten Wohnmobil durchzuführen.
Ich habe hier in Bayern 3 Adressen gefunden, wo es geeignete Wohnmobile zu mieten gibt. Ich wollte diese Reise schon letztes Jahr (1997) machen, konnte aber kein Wohnmobil bekommen, da sie schon alle gebucht waren, aber hatte es für dieses Jahr im Mai gleich vorbestellt.
Mittlerweile haben wir die Route soweit es möglich war festgelegt.
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Am 22. Mai holte mein Vater das Wohnmobil vom Malteser Hilfsdienst in Augsburg ab.
Das war ein „Schiff“, 7m lang und 2,3m breit. In der Tür für den Wohnbereich war ein Lift für den Rollstuhlfahrer und weil es so groß ist, konnte man mit dem Rollstuhl im Wohnmobil leicht rangieren.
Nachdem wir das Wohnmobil gepackt hatten, versuchten wir, wie man mich am besten ins Bett und wieder zurück in den Rolli brachte.
Die Sitzecke war mit wenigen Handgriffen zu einem Doppelbett umgebaut, auf dem ich schlafen würde. Das umsitzen funktionierte wider Erwarten ganz gut.
Unter Mithilfe, kann ich noch relativ stabil stehen.
Ich muss das vielleicht etwas näher erklären. Wenn ich vertrauen zu der Person habe, die mich unterstützt, kann ich bewusst Streckspastiken in meinen Beinen auslösen. Das geht also so, die unterstützende Person fasst mich unter den Achseln und unterstützt auf Kommando das Aufstehen.
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Das Wohnmobil ist ein riesiges Schiff!
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Wenn die Beine sich dann strecken und Knie überstrecken und im „Anschlag“ sind und mein Gewicht darauf lastet und nur dann, tragen meine Beine mein Gewicht.
Wenn das Gewicht nicht auf den Schwerpunkt kommt, z.B. weil die unterstützende Person mich zu sehr trägt oder mich über den Schwerpunkt hinweg zieht, hält die Streckung nicht und ich sacke zusammen.
Allerdings kann ich mich in der Streckung nicht selber balancieren oder drehen, das muss die Hilfsperson, in diesem Fall mein Vater, machen.
Unser Versuch klappte auf Anhieb, also konnte es los gehen.
Wir schliefen noch einmal bei mir zu Hause und am nächsten Morgen ging es los!
Wir fuhren über Österreich nach Previdza in der Slowakei um dort einen Freund zu besuchen.
In Previdza hat sich Gerhard, so heißt der Freund den wir dort besucht haben, viel Mühe gegeben. Previdza ist eine sehr schöne Stadt mit einem sehr schönen Schloss.
Am nächsten Tag ging es weiter nach Zakopane, einem berühmten Wintersportort in der polnischen Hohen Tatra.
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Unter den Skischanzen von Zakopane.
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Zakopne ist ein schöner Wintersportort. Wir haben dort in einem sehr guten Restaurant polnische Spezialitäten der Region gegessen. Das Essen war sehr reichhaltig und sehr gut und wir haben inklusive Getränke nur ca. 5 Euro pro Person bezahlt. Dort übernachteten wir auf dem Parkplatz unterhalb der Skischanzen.
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Dann fuhren wir weiter nach Krakau.
Krakau ist auch sehr schön. Mit dem Rollstuhl war es unmöglich den steilen Weg, der mit „Katzenköpfen“ gepflastert war, hinauf zur Burg zu kommen. Die Burg war im Mittelalter der polnische Königssitz. Wir konnten nur eine Runde unterhalb der Burg machen. Und wir waren lange auf dem Stadtplatz in der alten Markthalle Sukiennice und in der Kirche mit den zwei Türmen, von denen jeder einen anderen „Hut“ trägt.
Wir wollten im ältesten Restaurant Polens (Wierzynek) essen, aber wir kamen zu spät und haben dort nur ein Kaffee getrunken und ein Stück Kuchen gegessen und uns das historische Restaurant angeschaut.
Am nächsten Tag fuhren wir in die Grafschaft Glas. Wir besuchten die Stadt Habelschwerdt, die Heimatstadt meines Vaters.
Habelschwerdt ist eine sehr kleine, typisch schlesische Stadt. Wir haben dort eine Runde gedreht.
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Mein Vater hat sein Geburtshaus, seine Schule usw. wiedergesehen.
Am frühen Nachmittag haben wir ein Restaurant gesucht, wo wir etwas zu Essen bekommen können. Aber überall waren Treppen und es war mit dem Rollstuhl nicht möglich. Ich glaube, mein Vater war sehr enttäuscht, weil seine „erwachsenen“ Augen, seine Kindheitserinnerungen nicht bestätigen konnten.
Wir sind deshalb zum Essen zu einem Ausflugsziel (Wolfsgrund) gefahren.
Aber das war noch eine größere Enttäuschung, denn dort standen zig Busse, mit Menschen, die ihre alte Heimat besucht haben. Und das Restaurant war darauf eingestellt. Es gab Wienerschnitzel mit Kartoffelsalat und ähnliches. Das war wieder eine Enttäuschung, aber unser Campingplatz in dem Kurort Polanica Zdroj war eine große Überraschung.
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Der Kranz von Habelschwerdt.
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Der Campingplatz war sehr schön angelegt und sehr ruhig.
Da keine Saison war, war das Restaurant geschlossen, als wir am nächsten Morgen frühstücken wollten. Aber nach Nachfrage, hat uns der Eigentümer von seinem eigenen Kaffee gemacht und einen seiner Angestellten in die Stadt geschickt, um uns ein Frühstück zu kaufen.
Wir haben den Kurort angeschaut. Die Stadt ist wunderschön restauriert und hat ein schönes Flair. Überall stehen kleine Brunnen, aus denen das Heilwasser, zur freien Verfügung fließt. Wir haben es auch probiert. Es muss eine gute Heilwirkung haben, denn es schmeckte so.
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Das Kranentor in Danzig."
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Danzig hat mir am besten gefallen. Wir hatten unser Wohnmobil auf dem Parkplatz der Danziger Werft abgestellt. Die Danziger Werft war Bankrott und deshalb geschlossen. Die Danziger Werft ist der Ort, von wo aus Lech Walesa den Umsturz der kommunistischen, polnischen Regierung voran getrieben hat. Ein Denkmal, das dort steht, erinnert daran.
Stadt war im 2. Weltkrieg total zerstört worden und die Altstadt wurde nach dem Krieg von den Polen wieder rekonstruiert. Die Altstadt sieht wieder sehr echt aus, in dem Stil der Hansestädte. Sie ist belebt mit vielen Restaurants, Cafes, Straßencafes, Boutiquen, Bernsteinschmuckgeschäften, usw..
Es war wunderschönes Wetter und wir haben eine Runde durch die komplette Altstadt gemacht. Sie hat soviel Flair. Dort waren viele Straßenmusikanten, wahrscheinlich Studenten von der Musikhochschule, Maler boten ihre gemalten Ansichten der Altstadt an.
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Dann fuhren wir weiter nach Stolpe, das Heute Slupsk heißt. Das ist die Heimatstadt von Ewa, meiner „Pflegerin“. Wir besuchten ihre Schwester und schauten uns gemeinsam die Stadt an. Die Stadt zeigt noch an vielen Orten ihren deutschen Ursprung. Es gibt dort ein Museum, das mit deutscher Unterstützung errichtet worden ist und einen Einblick in die Geschichte gibt.
Da es zurück zur Wohnung von Edyta, so heißt Ewas Schwester, bergauf ging und wir uns das mit dem Rolli nicht zumuten wollten, bestellte Edyta ein Taxi für Rollstuhlfahrer. Ich war total das es so etwas hier gibt.
Mit dem Taxi fuhren wir zu einem Kaschuben-Restaurant.
Die Kaschuben sind die Ureinwohner dieser Gegend. Wir haben dort die Spezialitäten gegessen, die sehr gut waren und mit deutschen überraschend preiswert.
Dann sind wir nach Ustka, das ist der nächtste Küstenort, gefahren, denn dort war nächste Campingplatz.
Ustka ist ein touristischer Küstenort, mit einer Promenade auf der das Leben tobt.
Der Campingplatz war sehr schön und ruhig, bis am nächsten Morgen um 6 Uhr.
Direkt neben dem Campingplatz stand eine neungebaute Kirche. Die Kirche hat ein Glockenspiel und einen Pfarrer, der Frühaufsteher ist und es liebte, auf dem Glockenspiel zu spielen. Direkt aus dem Schlaf gerissen, dachten wir es sei irgend ein Alarm, bis man richtig wach wurde und erkannt hat, dass es sich um eine Melodie handelt, die auf dem Glockenspiel gespielt wurde.
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Auf der Mole von Ustka.
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Unsere letzte Station in Polen war Neustettin oder Stetcinek, wie heute heißt.
Dort besuchten wir eine Tante von Ewa.
Stetcinek ist eine hübsche kleine Stadt, in deren Zentrum ein großer See liegt.
Dann sind wir so schnell es ging zurück nach Altötting gefahren.
Dort haben wir das Wohnmobil ausgeräumt und gründlich gereinigt, denn am nächsten musste es mein Vater wieder abgeben.
Die Reise durch Polen war sehr schön. Wir haben es allerdings übertrieben und sind zu viel gefahren. Ich werde sicherlich noch einmal nach Polen fahren und noch einmal Danzig anschauen und dann weiter nach Warmen und Masuren.
Die Reise mit dem Wohnmobil war sehr gut.
Ich habe mittlerweile 3 weitere Reisen mit dem Wohnmobil gemacht und werde auch darüber berichten!
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