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Veröffentlicht in "Wacker Werk und Wirken" im September 1990

Photovoltaikanlagen für eine Himalayaexpedition
Mit Sonnenenrgie auf dem Weg zum Dach der Welt:

weniger Gewicht..................und weniger Kosten

Expeditionen ins Hochgebirge müssen mit dem Gewicht geizen, schließlich muss alles in dünner Luft mühevoll in die Höhe geschleppt werden. Mitarbeiter der Wacker-Tochter Heliotronic in Burghausen haben durch ihr persönliches Engagement bewiesen, dass sich dabei die Frage der elektrischen Energieversorgung sehr vorteilhaft mit wiederaufladbaren Batterien und photovoltaischen Solarladestationen lösen lässt.

Ein Bericht von Jörg Kotilge
Hidden Peak

Der Hidden Peak, das Ziel der Expedition.


Solarzellen in der Heliotronic

Die Heliotronic GmbH ist eine vom Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) geförderte Forschungs- und Entwicklungstochter der Wacker-Chemitronic. Hier werden Verfahren entwickelt, um auf multikristalliner Silizium-Basis kostengünstiges Ausgangsmaterial für photovoltaische Solarzellen zur Direktumwandlung von Licht in elektrischen Strom zu erzeugen.
Das unter dem geschützten Markenzeichen Silso bekannte und vertriebene Ausgangsmaterial wird in der Chemitronic großtechnisch hergestellt und an Unternehmen, wie Telefunken Systemtechnik beispielsweise, verkauft. Diese Firmen verarbeiten die Silso-Scheiben Solarzellen und fertigen Panels.
Innerhalb der Forschung und Entwicklung der Heliotronic besteht eine enge Zusammenarbeit mit Telefunken Elektronic. Aufgrund dieser Zusammenarbeit wurden der Heliotronic eine größere Anzahl Solarzellen zur Verfügung gestellt, die an interessierte Mitarbeiter für „Bastelarbeiten“ weitergegeben wurden. Aus diesen Bastelaktivitäten“ sind einige interessante Anwendungen entstanden.


Die zündende Idee ...

Im März 1989 stellte sich Hans Gradischnig, Wacker- Mitarbeiter in der Abt. O, im Vereinsheim des Touristen-Vereins der Naturfreunde der Ortsgruppe Hochburg-Ach, als Teilnehmer einer Expedition in das Karakorum-Massiv im Himalaja, zum 8068 m hohen Hidden Peak vor. In dieser Veranstaltung erläuterte er die notwendigen Expeditionsgüter und die daraus resultierenden etwa DM 15 000,- hohen Kosten für jeden Expeditionsteilnehmer, um durch den TVN Hochburg-Ach und seine Mitglieder Unterstützung zu bekommen. Er ging, bei einem Gewicht der Ausrüstung von etwa 4000 kg, von 300 Gaskartuschen und 500 Batterien aus.

Bei dieser Veranstaltung bot sich Heliotronic-Mitarbeiter Herbert Pichler an, die elektrische Energieversorgung für Funkgeräte, Handscheinwerfer, Zeltbeleuchtung, Notblinklampen und Videokameras mit wiederaufladbaren Batterien (Ni-Cd-Zellen) und Solarladestationen zu lösen, um Gewicht zu sparen. Der Vorteil für die Umwelt, da alle Komponenten wieder verwendbar sind, würde man sie nicht zurücklassen.


Herbert Pichler und Hans Gradischnig

Herbert Pichler übergibt Herrn Hans Gradischnig die Solarladestationen.

... und die Verwirklichung

Die Idee wurde skeptisch, aber doch interessiert aufgegriffen, und sofort begann die Suche nach geeigneten Geräten (soweit sie noch nicht vorhanden waren). In regen Diskussionen zwischen Herbert Pichler, Dr. Rolf Knobel und Jörg Kotilge wurden die technischen Details festgelegt. Es mussten die notwendigen Gerätspannungen ermittelt werden.
Sicherheitsfaktoren wurden festgelegt und die notwendigen Ladeströme festgestellt. Daraus ergaben sich die Solarzellengrößen und die Anzahl der Zellen pro Panel. Man entschied sich dafür, sich dafür, die Panelen zwischen zwei 2-mm-Fensterglasscheiben aufzubauen und dann mit einer speziellen Siliconmasse auszugießen. Die Panels sollten zum Glaskantenschutz mit einem Aluminium U-Profil gerahmt werden.
Nun konnte der Bau der maßgeschneiderten Panels in Angriff genommen werden, stets im Bewusstsein, welche Konsequenzen ein etwaiger Geräteausfall für die Expedition haben würde.

Die Expedition

Am 26. Mai ging es los. Zuerst flogen die Expeditionsteilnehmer vom Flughafen Linz-Hörschig über Frankfurt und Istanbul nach Rawalpindi in Pakistan. Von Rawalpindi aus wurden die Teilnehmer und das Material auf Lkw 700 km nach Skandu transportiert.


Hans Gradischnig kümmert sich um die Ladung der Geräte

Auf dem Marsch zum Hidden Peak kümmerte
sich Hans Gradischnig bei jeder Rast darum,
dass die Akkus immer geladen sind.

Von Skandu aus ging es mit Jeeps weiter zum 130 km entfernten Dassu. Von dort aus wurden die Expeditionsmaterialien auf 160 angemieteten Sherpas (25 kg je Mann) verteilt und in elf Tagen zum 180 km entfernten Basislager in 5000 m Höhe transportiert. Da schon auf dem weg dahin immer wieder die „Lampenpanelen“ installiert wurden, um die Nachtlager beleuchten zu können, wurden die Panels laufend umgepackt. Die Gesamtdistanz betrug pro Weg etwa 5800 km. Das Basislager wurde innerhalb von drei Tagen aufgebaut.

Schon vom ersten Tag an wurden die Solarladestationen in Betrieb genommen und versahen ihren für die Expeditionsteilnehmer unter diesen Bedingungen lebensnotwendigen Dienst.

Hans Gradischnig baut die Solarladestation in der Basis-Station auf

Hans Gradischnig baut die Solarladestation
in der Basis-Station auf.

Die Solarladestionen funktionieren auch im ewigen Eis und Schnee!

Hier im Höhenlager 1, in über 5800m Höhe.

Je ein Funkgerät wurde im Lager 1 in 5600 m und im Hochlager in 6800 m Höhe postiert. Die Panels wurden zum Schutz vor dem Wetter und Zuschneien sogar unter der senkrechten Zeltplane aufgehängt. Das hier noch einfallende sehr gedämpfte Licht hat ausgereicht, die Funkgeräte funktionstüchtig zu halten.

Eine japanische Expedition, die zur gleichen Zeit mit herkömmlicher Ausrüstung, also mit Batterien und Gaskartuschen, äußerte sich – Berichten zufolge – sehr positiv über die Solarausrüstung unserer deutsch-österreichischen Expedition. Der japanische Expeditionsteilnehmer hatte die komplette Ausrüstung kaufen wollen. Das war nicht möglich, da die Expedition sich hundertprozentig auf die elektrische Versorgung durch Solargeneratoren verlassen hat.
Wir hoffen das unser Beispiel Signale setzt und weitere Expeditionen den Mut aufbringen werden, ihre Energieversorgung der Sonne zu überlassen. Es muss ja nicht unbedingt eine Bergbesteigung im Himalaya sein, auch in den Alpen scheint die Sonne.

Alle Expeditionsteilnehmer waren voll des Lobes, sie wollen sich bei zukünftigen Unternehmungen in verstärktem Maß auf die elektrische Energieversorgung durch Solargeneratoren verlassen. Dank dieser Idee konnten sie DM 3000,- Kosten und etwa 75 kg weniger Gewicht und damit zusätzlich Transportkosten in Höhe von DM 3800,- sparen.

Danke, liebe Sonne.



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