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Veröffentlicht im Burghauser Anzeiger 11.Juli 1990

Solarboot
Mit dem "Sonnensegel" über den See

Was macht man, wenn man weder segeln noch rudern will, sein Boot aber auch nicht mit einem Verbrennungsmotor betreiben darf? Diese Frage stellte sich dem Burghausener Günter Kirsch. Er fand die einzig richtige Lösung, indem er sein Boot mit einem Elektromotor ausrüstete und zum Stromversorgung ein "Sonnensegel" installierte. Der „Burghauser Anzeiger“ sprach mit Günter Kirsch über sein Boot.

Solarboot

Der "Kapitän" Günter Kirsch in seinem Solarboot!
Leider habe ich kein schöneres Bild!

Burghauser Anzeiger: Herr Kirsch, wie kamen Sie auf die Idee, Ihr Segelboot abzutakeln?
Kirsch: Ich habe dieses Segelboot am Tachinger See immer als "Badeboot" verwendet. Aber wenn schönes Wetter zum Baden ist, fehlt meistens der richtige Wind zum Segeln.
BA: Aber warum ein Elektroantrieb?
Kirsch: Ich wollte auf ein Badeboot nicht verzichten. Da man auf den meisten bayerischen Seen, Gott sei Dank, nicht mit dem lauten, stinkenden und ölverpestenden Verbrennungsmotoren fahren darf, habe ich daran gedacht mir einen Elektroantrieb einzubauen, denn rudern will ich auch nicht.
BA: Das ist gut, aber die Solarausstattung ist doch sehr ausgefallen. Wie kamen Sie auf diese Idee?
Kirsch: Weil an meinem Bootsliegeplatz kein Stromanschluss vorhanden ist, an dem ich die Fahrbatterien wieder aufladen kann. Ich hätte nach jedem Tag auf dem See die zwei Batterien mit je rund 25 Kilogramm aus dem Boot ausbauen, herausheben, in den Kofferraum des Autos laden müssen. Daheim in den Keller tragen, ans Ladegerät anschließen und am nächsten Badetag das ganze umgekehrt. Das war mir zu umständlich.
BA: Das brachte Sie dann auf diese Idee mit dem Solarladegerät?
Kirsch: Ich hatte diese Idee schon sehr früh, aber bei der Auslegung und der Beschaffung der notwendigen Komponenten hatte ich Probleme. Aber ich habe Kontakte zu der „Interessengemeinschaft Regenerative Energien“ oder IRE, wie sie sich nennen. Sie haben jetzt, in diesen Tagen einen Verein gegründet.
BA: Und da fanden Sie Unterstützung?
Kirsch: Ja. Dr. Knobel und Diplomingenieur Kotilge von IRE haben sich dieses Problems angenommen und mir geholfen.
BA: Wie weit können Sie mit dem Boot fahren?
Kirsch: Das Boot hat einen 500-Watt-Motor. Das bedeutet bei 24 Volt rund 24 Ampere Stromaufnahme. Mit der Batteriekapazität von 100 Amperestunden kann man also schon etwa fünf Stunden fahren. Das Boot ist um die 15 Stundenkilometer schnell, das bedeutet ich könnte ca. 75 Kilometer fahren. Die vier Solarmodule liefern bei voller Sonneneinstrahlung rund 180 Watt und 5,8 Ampere. Das erhöht die Fahrzeit um zwei Stunden auf rund sieben Stunden und die Fahrstrecke auf 105 Kilometer. Und bis jetzt bin ich immer mit dem Sonnenstrom ausgekommen.
BA: Kann man Ihr Boot besichtigen?
Kirsch: Im Sommer liegt es am Tachinger See und sorgt dort immer wieder für Aufsehen. Jetzt beim Neustadtfest am 14. und 15. Juli wird das Boot auf dem Stand der IRE zu sehen sein.


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