Als im Dezember 1982 die Geburt meiner Tochter anstand, bekam ich die ersten auffälligen Symptome (Sensibilitätsstörungen in beiden Beinen, beginnend bei den Zehen und innerhalb von einer Woche bis zum Bauchnabel aufsteigen).
Anfangs glaubte ich an "eingeschlafene Füße”, aber nach Stunden beziehungsweise Tagen war das keine Erklärung mehr!
Nach einer langen Odyssee durch verschiedene Arztpraxen wurde bei mir letztendlich Multiple Sklerose diagnostiziert!
(siehe dazu auch Ein langer Weg bis zur MS Diagnose )
In der Anamnese hat sich herauskristallisiert, dass ich die ersten MS Anzeichen schon in den siebziger Jahren, schon während meiner Bundeswehrzeit aber spätestens während des Studiums hatte.
Diese Symptome waren immer nur vorübergehend, aber doch so stark, dass sie mir in Erinnerung blieben! Aber weil sie wieder vergingen und es jedes Mal eine plausible Erklärung gab (am Abend zuvor, zu viel gesoffen, Prüfungsstress/ Prüfungsangst, zu viel gearbeitet usw.) und weil ich durch das Leben galoppiert bin und gar keine Zeit hatte mir darüber weitere Gedanken zu machen, habe ich mir auch keine weiteren Gedanken darüber gemacht!
Nach der Diagnose habe ich sehr bald Azathioprin genommen und konnte in der Zeit vergessen, dass ich Multiple Sklerose habe. Ich bin weiterhin allen meinen Aktivitäten nachgegangen (Fußball spielen, Berg steigen, Skifahren, Fahrradfahren)
es wurde regelmäßig das Blut untersucht, allerdings immer nur auf die Anzahl der Leukozyten und nicht auf die Anzahl der Thrombozyten.
Irgendwann fiel mir auf (ich hatte mich beim rasieren geschnitten) dass es nach Tagen immer noch blutete und in allen großen Körpergelenken waren Blutergüsse. Die Analyse ergab weit unter 100.000 Thrombozyten pro Milliliter Blut. Ich war akuter Bluter und musste das Medikament absetzen.
Ich habe noch ein Jahr lang laboriert, ob ich nicht doch das Medikament weiter einnehmen konnte. Das Blutbild erholte sich schnell aber die minimalste Einnahme wirkte sich sofort wieder negativ aus.
Ich musste mich geschlagen geben und bekam, wie in der einschlägigen Literatur beshrieben, sechs Monate später die Rechnung präsentiert: die Schübe kamen wie an einer Perlenkette aufgereiht.
Als mich dann noch meine Frau mit unserer Tochter verlassen hat (die Scheidung war ein Rosenkrieg) hat es mich in den Rollstuhl gepackt!
Seit zirka 1990 bekomme ich keine Schübe mehr, der Verlauf meiner MS ist sekundär chronisch progredient geworden.
In irgend einer Veröffentlichung hatte ich gelesen, dass bei chronisch progredientem Verlauf die dauernde Einnahme von geringen Mengen Cortison (ich bin 1,84 m groß, wiege 82 kg und nehme täglich 8 mg Prednisolon (2x PredniMtablinen (a 4 mg)) angezeigt sei.
Ich habe festgestellt, wenn ich die Einnahme längere Zeit (ca. 6 Wochen) absetze, verschlechtert sich mein Zustand rapide. Ich nehme an, ich habe irgendwo in meinem Zentralnervensystem dauernde Entzündungen.
Nachdem ich seit ca. 1990 keine Schübe mehr hatte, war ich total überrascht als ich Anfang Juni 2007 wieder einen Schub bekam (Schleiersehen auf dem rechten Auge). Mit der Gabe von fünfmal 1000 mg Urbason IV, konnte die Entzündung unterdrückt werden und es ist nur eine kleine Wolke im rechten Auge zurück geblieben.
Dann kam Mitte August 2007 der zweite Schub, wieder Schleiersehen auf dem rechten Auge. Weitere Gaben von 1000 mg Urbason IV (ich habe nach sieben Spritzen aufgegeben) haben nicht viel gebracht. Ich habe Nebel im rechten Auge, Sichtweite unter 50 m.
Nachdem ich vor Jahren schon einmal einen Schub auf dem Sehnerv hatte, habe ich sowieso nur noch unter 50% Sehkraft.
Mit dem jetzigen Ausfall, bin ich, ohne Hilfsmittel, nicht mehr in der Lage zu lesen!
Mit beiden Augen kann ich fast keine Leute nicht erkennen, ich muss dafür das rechte Auge schließen!