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WINTERMÄRCHEN

Metapher über die Liebe zu einer/einem MS-Kranken!

Es war ein eisiger Winternachmittag.
Einfach fürchterlich kaltherzig und grau, dieser Tag.

Der Schnee fiel in Kübeln vom Himmel und die Bäume hatten ihre schwere, weiße Last zu tragen. Immer mal wieder streute ein Baum seine schwergewordene weiße Mühsal auf den Boden. Denn nichts konnte schwerer wiegen, als diese kleinen Eiskristalle, hatten sie sich erst mal zusammengeschweißt, oh je!
Es hatten sich schon klirrend kalte Eiszapfen, wie aus schwerem Glas, gebildet, die vom Dach des weißen Hauses herabhingen, in einer bedrohlichen Zahl.
Wunderliche seltsame Eiskristalle säumten sich auf den Fensterscheiben, sammelten sich an der flachen Scheibe, kreisten umeinander und verrieten, dass es hier drinnen doch warm sein musste.

Der unerbittlich, heftig wehende Wind tat sein übriges, um die Aussentemperatur als fies und schmuddelig zu bezeichnen und war obendrein alles andere als gemütlich. Es war einfach grässlich, ungemütlich, kalt und fies-feucht, ein Wetter, bei dem man niemanden vor die Haustür schicken würde. Natürlich brauche ich fast nicht zu erwähnen, dass sich auch die Sonne an diesem Tag versteckt hielt, hinter einem gewaltigen Berg aus den dunklsten Wolken, die man sich vorstellen konnte und die nichts, aber absolut nichts Erfreuliches ahnen ließen und fast keine Lichtstrahlen nach unten auf den Erdboden.
Schwermut war in vollem Maße angesagt. Eine Schwermut, die einem das Herz noch während des Pulsschlages erfrieren lassen wollte. Wie konnte es auch anders sein, bei dieser Art von schweren und miesepetrigen Niedergeschlagenheit der Gefühlswelt, bei diesem drögen Niederschlag. - Des Kristallenden "Falles" in Weiß.

An diesem besagten Tag nun geschah es, dass wie immer, ungeachtet des miesen Wetters, der alte Mann noch hinaus ging, um das Wasser für den nächsten Tag aus dem Brunnen zu hieven, was noch möglich war, weil die Temperaturen noch ein klitze kleines Loch in der Eisdecke hervorschienen ließen und der Winter doch nicht so extrem kalt war, nicht so immens gnadenlos schien, als dass dieses Löchlein in "Null-Komma-Nix" wieder zugefroren wäre.

Er legte sich also schwerfällig über das M&ábl;uerchen des Brunnens und warf seinen leeren Eimer hinab, in das dunkle Nichts. Eine eingefahrene Routine, ohne jede freudige Erwartung. Bis er plötzlich ein hohles "Platsch!" vernahm und den Eimer ein wenig in dem Wasser rührte.
Der Eimer schien sich zunehmens zu füllen und gewann an Schwere, so dass das alte Bäuerlein meinte, es sei genug und die Arbeit getan.
War es anscheinend auch, doch als er den schweren "Batzen" Wasser, mit großer Kraftanstrengung, aus dem Brunnen herauf ziehen wollte, versagten ihm fast die Arme.
"Das gibt's doch nicht!" sagte er sich.
Doch das alte Bäuerlein wäre kein Bauer, würde ihn so was von seinem Arbeitsgang abhalten. Schnell mal in die Hände gespuckt und schon sollte das widerstrebende Etwas hinauf geschnellt werden.
Im Geiste schon zu Ende gedacht, zog der kleine und für sein Alter noch drahtige Mann kräftig an.
"Ja! - Verdammt!". Den Oberkörper schon etwas über den Brunnenrand gebeugt.
"Wird´s denn gehen!?" schrie er laut in den Brunnenschacht hinein. Der ihm ein hohles Echo zurücksandte.
Als ihm eine zarte, weibliche Stimme entgegenrief "Ja, schrei doch nicht so derb! Eh, ja zieh geschwind! Mir ist so kalt hier drunten!"
Dem Bauer war es nun nicht mehr geheuer. Er ließ los und sprang erschrocken vom steinernen Brunnenrand weg und wäre beinahe in den Schnee gefallen.
Das Wesen schnellte in die Tiefen des Schachtes zurück und fing weinerlich an zu flehen. "Ich möchte hier raus, raus aus diesem morbiden Gewölbe. Lass mich doch raus! Aus diesem kältlichen Loch.": herzzerreißend diese Oktave.
"Einmal die Erdoberfläche sehen."
Dieser jugendlich flehende Ton. "Mit meinen eigenen Augen dieses noch nie Gesehene erfassen!" Fing sie weinerlich klingend an zu Klagen.
Das Bäuerchen rührte dieses Gewinsel so stark, dass er seine Vorsicht vergaß und dieses Wesen geschwind an die Oberfläche bringen wollte.
Und während er nun kräftig zog, an diesem schweren und mit Wasser kalt vollgesogenen "Hanf", wie in seinen besten Arbeitsjahren, stellte er sich dieses traurige Menetekel, geheimnisvolle eines sich kundtuenden Übels, von dem er doch in keinster Weise etwas erahnte, in seinen allzuschönen Formen und Zügen vor, waren sie noch so grässlich und gruselig.
In seinem Alter noch ein schönes Weibsstück zu sehen. In seinem Alter noch einen schönen, wohlgeformten Frauenkörper zu erblicken?
In seinem Alter noch einmal das Zeitrad zurückdrehend und den Gelüsten der Jugendlichkeit nachhecheln.
Dies und anderes mehr träumend, würden seine Armzüge immer schneller und seine Begierde immer ungeduldiger.

Und - Schwupps! - hatte er das angegrünte Bündel an die allzu dunkle Erdoberfläche, in ihrem griäulich weißem Winter-Kleid, herauf gezogen.
Doch wie war ihm, diesem Wesen sollte dies' schöne zarte Stimmlein gehören? - Welch ein blasser Betrug!
Quellende, froschartige Augen, pampiges Algen durchsetztes Haar, die Haut wie das Abbild eines Fisches, so schuppig, glitschig und doch so kleinlich bunt schimmernd. Der Gestank jedoch, wie das stank!, tat noch ein übriges. Wie das roch.
- So war auch dieses zärtliche Liedchen, dieses zarte Lullaby lieblicher Träume alsbald ausgesummt.
Am liebsten hätte er dieses Bündel, beim ersten Anblick forteilends, wieder hinab in den Brunnen geworfen, doch bei allem Miesgram und nicht erfüllten Träumen; - es hatte sich schon an den Rändern des Brunnens festgehalten und bibberte im Angesicht der Oberflächentemperatur und den noch immer herabschwebenden Schneeflöckchen.

Au weh! Wie war dem kleinen alten Männlein da zumute. Was sollte er nur tun?
Ein Gefangener seiner Begierde und seiner unersättlichen Wollust. Bei diesen niedrigen Temperaturen?! Erbärmliche Wünschelei! Dabei war es doch nur ein kleiner Wunsch! Ein klitzekleiner. War er doch ansonsten so besitzlos und hatte er doch seit Jahrzehnten keinem Weibsbild hinterhergesehen. Und jetzt dies? Sei´s drum, das Malheur war geschehen, keine Frage.
Allein der Anblick tat mehr als weh und dann noch dieser penetrante Geruch, Widerlich!, wenn da nicht diese wunderbare Stimme wäre, man wollte ihr Stunde um Stunde folgen. - Mit verschlossenen Augen und einem Taschentuch vor der Nase, versteht sich! Ärgerten ihn seine Gedanken.
Mochten sie noch längere Zeit um den Brunnen herum sitzen, diese Beiden, der kleine Alte und die glitschige Feuchte, es half doch alles nichts, der unnachgiebige Winter richtete die Grenzen, und die waren unnachgiebig und "bibbernd".
Also sprach das Bäuerlein mit leiser Stimme, und die Worte wollten ihm nicht sprudelnd über die Lippen.
"Was ist "fremdartiges" Wesen, ist euch nicht auch erbärmlich kalt. Wollt ihr nicht mit mir in meine Hütte kommen?"
Da hätte er sich aber die Worte noch nicht ganz herausgepresst, als dieses widernatürlich Wesen freudig das Angebot, zu seinem Missmut, entgegennahm und sich seine Schulter als Stütze erbat.

Seine Wohnstube war wohlig warm und das Licht des Feuers legte ihr Antlitz in ein teuflisches Erscheinen.

Schnell hatte er ihr ein wärmendes Gesöff zubereitet, was sie allzu gierig hinunterspülte.
Und auch ihm wurde vom lauter Zusehen warm, auch wenn er das Zittern von draußen mit herein gebracht zu haben schien.

"Das ist also die Welt hier draußen. Deine Welt." sagte sie staunend.
"So hatte ich es mir aber nicht vorgestellt. So kalt!" als könnte sie es nicht begreifen.
"Was heißt hier kalt!" entgegnete er ihr. Und doch wusste er, was sie meinte.
"Trink nur!" forderte er sie auf.
Und sie setzte erneut an. Sog an dem wärmenden Nass, und fühlte sich immer behaglicher.
Eingehend musterte er dieses wunderliche Wesen. Ja! Eine schöne Figur hatte sie. Aber dieser Geruch!
Da wurden seine sämtliche Gefühle gespalten, wo sich doch diese penetranten Düfte in sein Riechorgan unaufgefordert schlichen.
Und doch spürte er, dass sie, vielleicht war es nur ihre tiefste Dankbarkeit, vielleicht war es auch diese fremde Umgebung, seine Nähe suchte.
Seine alternde Nähe?! Wollte ihr nicht sein fortgeschrittenes Alter gewahr werden? - Da hatten sich die beiden Richtigen gefunden!
Erbärmlicher Geruch lag in seiner Nase. Und doch seine Zeit nagte. Verformte sich denn nicht unerbittlich seinem Aussehen? Wurde er denn nicht mit jeder Sekunde älter?
Und doch wollten sich diese Gegensätze anziehen, als wäre es ein magisches Band, dass da gesponnen wurde.
Denn es prickelte in all seinen Poren, zu lange schmachtete die blanke Entbehrung des Fleisches in seinen Knochen, zu lange sehnte er sich nach einer Partnerin. Seine allzu lang brach liegenden Gefühle, wollten herausbrechen, aus diesem kargen Gefängnis der jahrzehntelangen Einsamkeit.
Und so berührten sich ihre Lippen, als würden ihre Körper, magisch, von nicht zu sehenden Fäden aneinander gezogen, saftig und nass! Als hätten sie es nie gekannt, dieses Gefühl, eins zu sein. Und doch kamen sie sich immer näher. Magnetisch.
Verbundensein mit dem anderen "unbekannten" Geschlecht und noch dazu so verführerisch.
Schön, einfach nur prickelnd schön!
Doch was kam nach dieser Nähe! Was kam nach diesem Augenblick der köstlichen Zufriedenheit?
Und schon durchzuckte es den verwegenen kleinen und alten Recken. - Was tun?
Als sich diese Gestalt, vor seinen Augen, plötzlich anfing zu verwandeln. - Gab´s denn so was!
Eine sonderliche Metamorphose. Allzu bizarr.
Vor seinen Augen geschah etwas allzu Verwunderliches. Von triefend grünen Schuppen, zu einer gewagten Person, mit wunderschönem Äußeren, änderte sich das Aussehen dieser vormals gewöhnungsbedürftigen und abartigen Gestalt.
Was war da geschehen? Was ging da vor sich?
Vormals unansehnlich, wandelte sich dieses süße Gebilde in eine formvollendete allzu süße Schönheit.

"Willst du mich begleiten!" sprach es da, sichtlich erzitternd durch diesen gewaltigen Kraftakt aus ihr heraus.
"Willst du bei mir bleiben und mir den Lebensweg ebnen!"
Verblüfft und fragend sah sie der alte Mann an. Konnte er? Wollte er? "Ja!" Und nochmals, ja!
War seine Entscheidung. Sie brauchte ihn und er wollte ihr diese Hilfe nicht vorenthalten.
"Ja! Ich will dich begleiten. Auf all deinen Wegen und dir ein guter Mann sein. Liebend gern!"
Und als er dies sprach, wurde ihm sein Glück erneut gewahr und er freute sich riesig.

Die Tage zogen nur so ins Land, und nach dem trüben Winter, pochte nun, freudestrahlend der närrische Frühling, mit den ersten spröden Knospen des Neuanfangs an die schlichte Behausung unserer beiden Liebenden.
Die Felder waren bestellt und die Arbeit auf dem Hof machte dem Bäuerchen wieder Spaß. Das Leben war eine Freude! Hatte es doch wieder einen Sinn.
In seiner unbändigen Beglückung, als wollte er die ganze Welt umarmen, als wollte er das Leben an sich küssen, packte er sich sein Weib und drückte ihr einen gewaltigen Schmatz auf die strammen Lippen. Als diese plötzlich gebannt zurückwich und sich anfing, mit verzerrter Miene, abermals zu verwandeln!
"Eih, Vöglein! Was ist mit dir?" fragte er sie entsetzt.
"Was geschieht?"

Entsetzen packte ihn.
Was wandelte sich das strahlende Fleisch in schnöde, übereinandergelagerte und übel riechende Schuppen. Ehemals schön und ansehnlich, wollte ihm das Schicksal erneut einen derben Streich spielen. Und so veränderte sich sein "Bündel" wieder in dieses glitschige und allzu fremde Wesen. Einfach zu derb dieses Gewebe aus Fischshaut, wieder in seine allzu altbekannte Form. Und dieser Geruch. Oh, Nein!
"Ende! Schluss! Aus!" tobte er verzweifelt in seiner Hilflosigkeit.

Aber es half alles nichts!
Betrübt musste er mit ansehen, wie sich der körperliche Glanz dieses holden Standbildes verabschiedete. Nur zu ohnmächtig sah er, wie sich seine Schöne wandelte. Und verwandelte. Und verwandelte. Die Grimasse des Schuppenwesens wurde erschreckend. Die Haut schrumpelte wieder zur glitzernden Schuppenoberfläche. Und was vormals gewesen, war nicht mehr.
Konnte er noch zu dieser Person stehen? War das seine liebgewordene "Angebetete?“

Nein!!!

Er staunte nicht schlecht.
Was zuviel war, war zuviel. Er konnte nicht mehr. So stand es nicht im "Vertrag". Und doch... konnte er? Wollte er? "Ja!" Und nochmals, ja! Das waren doch seine Worte. Sein Zugeständnis.
"Ja! Ich will dich begleiten. " Hatte er gesagt. "Auf all deinen Wegen und dir ein guter Mann sein." War sein Gerede.
"Liebend gern!" Hatte er gesagt, in den Minuten vollster Zuneigung.


Drum lerne! - Nimm das was du siehst und wenn du es geküsst, ganz fest, warm und herzlich..., so gehört es zu dir. Zu Dir! Denn was Du einmal geküsst..., - Aber, ach!, sein wir nicht so streng!


Süßlicher und zaghafter Schmatz!!!
Auf Deine prallen und, ach!, so wäßrig schönen Lippen.


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